Was Sie gegen Mobbing tun können
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Was Sie gegen Mobbing tun können

“Mobbing” ist ein Wort, das den Vorgang verharmlost, den es bezeichnen soll. Das wird deutlich in der englischen Übersetzung dieses Wortes: „bullying“. Das bedeutet: jemanden wegdrängen, wegboxen. Tatsächlich handelt es sich, auch in den anglo-amerikanischen Ländern, bei „Mobbing“ um Schikanen. Diese richten sich – am Arbeitsplatz in einer Firma, in der Universität, in der Schule oder im Internet – gegen jemanden, den andere – Kollegen, Mitschüler, etc.- irgendwie „weghaben“ und „klein kriegen“ will. Um das zu erreichen, wird der Selbstwert des Betroffenen angegriffen – immer wieder und auf verschiedene Weise. Im Wort „Mobbing“ jedoch wird diese psychologische Sichtweise gar nicht deutlich. Aber ohne sie können wir weder den Vorgang selbst, noch die verheerende Wirkung, die er für den Betroffenen haben kann, verstehen.

Was kann gegen „Mobbing“ getan werden?

1.) „Mobbing“-Vorgang überprüfen.

Wenn ich glaube, dass ein „Mobbing“-Vorgang gegen mich im Gange ist, sollte ich zunächst prüfen, wie weit er fortgeschritten ist: Ist er noch in der Anfangsphase, oder ist er schon weiter fortgeschritten? Und: Wer „mobbt“ mich eigentlich und wie?

Zur Orientierung. Die Angriffe auf den Selbstwert können ja – direkt oder indirekt – auf vier verschiedenen Ebenen erfolgen (vgl. Flader, 2012):

I. Die Qualität der eigenen Arbeitsleistungen wird abgewertet („Sie wollen eine gute Arbeit liefern? Das tun Sie nicht!“).

II. Die Zugehörigkeit zur Gruppe oder Gemeinschaft der Arbeitskollegen wird bestritten („Du willst einer/eine von uns sein? Du gehörst nicht zu uns!“).

III. Die  eigene Vorstellung, ein „netter Typ“ zu sein, wird bestritten („Du bist kein netter Typ, sieh Dir Deinen Haarschnitt/Deine Kleidung etc. an!“).

IV. Besonders bei verheirateten Ehemännern: Die eigene Vorstellung, ein tüchtiger Ernährer der Familie zu sein, wird in Frage gestellt („Sie wollen ein guter Ernährer Ihrer Familie sein? Warten Sie mal, wenn Sie entlassen werden!“).

2.) Notizen machen als Merkhilfe.

Die Art der „Mobbing-Handlungen“, die ich beobachtet habe, und das Datum, an dem das geschah, werde ich notieren. Also z.B.: „Mein Computer wurde mit einem Kaugummi verklebt“, festgestellt am dd.mm.jj; „mein direkter Vorgesetzter hat mich wieder wegen einer Nichtigkeit abgekanzelt“, am dd.mm.jj; „ich merke heute, dass das Gerücht xy über mich in Umlauf ist“, Datum dd.mm.jj.

Wichtig: Von „Mobbing“ spricht man nur, wenn die Angriffe sich mehrmals, auch in einer Kombination, wiederholen, und wenn sie alle unter dem Level des Justitiablen liegen, wenn man als Betroffener also keine rechtliche Klage gegen einzelne Mobbing-Handlungen erheben kann – sei es, weil die Angriffe verdeckt erfolgen, oder weil es im Bemessen des Mobbers/der Mobber liegt, sie auszuführen – z.B. einen Arbeitskollegen mit zum Mittagsessen zu nehmen oder auch nicht; als direkter Vorgesetzter die Arbeitsleistung eines Mitarbeiters fair zu beurteilen, oder auch nicht, u.s.w.

Diese Notizen können später noch einmal wichtig werden – z.B., wenn ich einen Rechtsanwalt oder einen anderen Berater einschalten will.

3.) Den/die Mobber zur Rede stellen.

Dies unternehmen die meisten Betroffenen – und die große Mehrheit von ihnen hat damit keinen Erfolg. Möglicherweise lässt sich der Erfolg dieser Versuche verbessern. Denn es macht einen Unterschied, ob ich, wie dies zumeist geschieht, erbost oder entrüstet den/die Mobber frage, „was das soll“ – oder aber ob ich ganz “cool“ bleibe und zeige, dass ich seine Angriffe durchschaut habe.

Hier finden Sie weitere Ratschläge: 

Teil 2: Mobbing am Arbeitsplatz – greifen Sie jetzt ein

Teil 3: Bleiben Sie stark – Lösungsansätze bei Mobbing am Arbeitsplatz