Ein Beitrag über Arbitration
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Ein Beitrag über Arbitration

Zur Einführung in die Welt der internationalen Arbitration, d.h. Schlichtung mit einem rechtskräftigen Urteil, gilt es zunächst, diesen Prozess dem traditionellen Rechtsverfahren bei Gericht gegenüberzustellen. Zweitens sollten zwei Typen internationaler Arbitration unterschieden werden: die internationale kommerzielle Arbitration und der Investitionsvertrag als Bezugspunkt von Arbitration. Es besteht eine wachsende politische und ökonomische Bedeutung der Investionsvertrags-Arbitration, in der eine Lösung des Rechtsstreits zwischen privaten Unternehmen als Investoren und dem Staaten erzielt werden soll, in den diese investieren. Im Prozess der wirtschaftlichen Globalisierung haben in den letzten fünfzig Jahren Staaten mehr als 2800 bilaterale Investitionsverträge abgeschlossen. In diesen Verträgen sind Staaten darin übereingekommen, internationale Standarts zu schaffen für die Betreuung ausländischer Investoren und für die Lösung von Rechtsstreitigkeiten – eben durch internationale Arbitration.

Obwohl die internationale Arbitration bereits von solch globaler Bedeutung ist, sind die psychologisch-kommunikativen Aspekte dieses Prozesses wissenschaftlich bislang kaum erforscht. Die Autoren beabsichtigen, durch eigene Forschung einen Beitrag zu leisten, um diese wissenschaftliche Lücke zu schließen. Die Autoren sind in zwei Pilot-Studien engagiert, von denen die erste Studie bereits ausgeführt wurde. In beiden werden die qualitativen Forschungsmethoden verwendet, die sich fundamental von den traditionellen quantitativen unterscheiden. Die erste Pilot-Studie basierte auf einem Fragebogen, der sich auf die Kernmerkmale dieses Schlichtungsprozesses bezog: die Forderung nach Unbefangenheit; die Komplexität der Fälle; die Wahl des Tribunals von Arbitration; die fehlende Appelationsmöglichkeit; und die vorhandenen globalen Aspekte, einschließlich bestehender kultureller Unterschiede. Letztere betreffen nicht nur die verschiedenen Rechtssysteme, sondern auch die Kommunikationsstile von Arbitratoren und Rechtsanwälten.

Eine zweite Pilot-Studie basiert auf Interviews, die mit international tätigen Arbitratoren aufgezeichnet wurden. Diese transkribierten Interviews werden zur Zeit auf vier verschiedenen Ebenen analysiert: das praktische Verständnis eines Arbitrators bezüglich der Schlüsselwörter; sodann wird aus der wissenschaftlichen Perspektive eine Analyse dieses Verständnisses vorgenommen. Ebenso werden aus beiden Perspektiven die Feststellungen untersucht, die Arbitratoren hinsichtlich der genannten Schlüsselmerkmale gefällt haben. Schließlich werden die zumeist impliziten Bewertungen der eigenen Techniken und Methoden rekonstruiert, die sich auf die Beachtung bzw. praktische Bewältigung der Kernmerkmale beziehen.

Diese qualitativen Untersuchungen der Interviews sind zur Zeit noch nicht abgeschlossen.

Prof. Dr. Dieter Flader, Arbitration (zus. m. S. Nappert und J. Calamita)